INTRO - März 2005
 
Es soll mal eine Zeit gegeben haben, als Pop noch nicht die 5. Kolonne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung war. Dass muss irgendwann gewesen sein, bevor ihr alle WebdesignerInnen wart und Harald Schmidt und/oder The Strokes gut fandet. Retro wollte uns das zurückgeben, ohne dass wir uns gegen irgendwas zu entscheiden hätten. Nett von ihm, aber genau falsch. Einer der letzten, die sich weigern, das, was aus Pop wurde, mitgekriegt zu haben, ist - neben Daniel Johnston - Klaus Beyer. Klaus Beyer glaubt so an die Beatles wie ihr an eure Bewerbungsmappe. Weil es die Beatles nicht mehr gibt, wird Klaus Beyer einfach selbst »die Beatles«. Und das seit weit über 20 Jahren.

Zum ersten Mal auf die ihm eigene unfassbar liebenswürdige Weise sozial auffällig wurde er damit Anfang der 80er. Die Beatles sind übrigens nur eine Koordinate in Klaus Beyers Universum. Aber die wichtigste. Er ist ihr Fan in jenem osmotischen Sinne, über das man/frau normalerweise süffisant grinst. Für seine Mutter hat er sämtliche Beatles-Texte ins Deutsche übertragen, weil die ja kein Englisch kann. Aber nicht in jenes Deutsch, das Mia & Co. so gerne sprechen: das Wir-Deutsch, sondern eines, das nur auf den ersten Blick nach »alberner Eindeutschungsversuch nach dem dritten Bier« aussieht: »Man kann sich kaufern, was sehr schön ist/Doch Liebe gibt es nicht für Geld/Gibt's nicht zu kaufen/Jedermann erzählt mir so« - Vielleicht das Killing capitalism with kindness-Stück, dem man/frau mal glauben könnte. »

Ein harter Tag« ist seine aktuelle Beatles-Platte, das komplette »A Hard day's night«, aber man/frau braucht sie alle. Die Backing-Bänder sind wie immer aus den Originalen in vorsintflutlicher Weise heraus gesampelt: Er überspielt die Stellen ohne Gesang solange mittels zweier Tonbandgeräte, bis er ein Playback zusammen hat. Natürlich ist das ein permanenter Abtausch aus Stolpern und mühelosem Dahingleiten. Fast als wären die Lieder der Beatles noch nicht Oldiekohle, sondern lebendige, fühlende Wesen. Er ist schließlich der letzte Dialektiker und der erste organlosen Körper. (Kafka nicht mitgerechnet). Manche finden das lustig, weil sie das bei Stefan Raab gelernt haben. Brav! Ich hingegen finde Klaus Beyer nicht nur besser als die Beatles, sondern auch als Beatles besser als die Beatles. Und das nicht etwa, weil er unreflektiert oder naiv oder authentisch, nämlich er selber, wäre. Oder ähnlicher reaktionärer Mist. Klaus Beyer ist nichts davon, und er macht auch keine unglaublich seltsame Musik, sondern nur alle anderen.
 
© Frank Apunkt Schneider
 
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